Ja, beim Import einer Gitarre aus den USA nach Deutschland fallen in der Regel Zoll und Einfuhrumsatzsteuer an. Der Zollsatz liegt je nach Instrument bei etwa 3,2 bis 3,7 Prozent, dazu kommen 19 % Einfuhrumsatzsteuer auf Warenpreis, Versand und Versicherung zusammen. Wer geschützte Hölzer wie Palisander im Gepäck hat, muss zusätzlich CITES-Vorgaben beachten.
Kurz gesagt:
- Bei der Einfuhr einer Gitarre aus den USA fällt in der Regel ein Zoll von etwa 3,2 bis 3,7 Prozent sowie 19 % Einfuhrumsatzsteuer auf den Gesamtwert an.
- Der Zollwert umfasst den Warenpreis, Versandkosten und Versicherungen, nicht nur den Kaufpreis, und beeinflusst alle späteren Abgaben.
- Wird die Gitarre im Reisegepäck mitgebracht, gelten andere Freigrenzen und Meldepflichten als beim Paketversand, wobei Überschreitungen aktiv anzumelden sind.
- Versanddienste wie DHL bieten PDDP-Services an, bei denen die Abgaben bereits im Voraus vom Verkäufer gezahlt werden, was die Importabwicklung erleichtert.
- Für importierte Instrumente mit geschützten Hölzern sind CITES-Dokumente oder Nachweise notwendig, sonst drohen Verzögerungen oder Beschlagnahmung.
Inhaltsverzeichnis
- Zollwert, Warentarifnummern und typische Abgabensätze für Gitarren
- Reisefreimengen beim Mitbringen im Gepäck versus Paketversand
- Wie Versanddienste die Verzollung abwickeln und was PDDP bedeutet
- CITES, geschützte Hölzer und Nachweise für problematische Instrumente
- Welche Dokumente belegen Kauf, Versand und Herkunft der Gitarre
- Beispielrechnung: Zoll, Einfuhrumsatzsteuer und Gesamtkosten ermitteln
- Checkliste für Kauf, Versand und Ankunft der Gitarre
- Wie Vintage Guitar World Sie bei Wertgutachten und Prüfungen unterstützt
- Lohnt sich der Import wirklich? Eine ehrliche Einschätzung
- Wertgutachten und Beratung von Vintage Guitar World
- Quellen
- FAQ
Zollwert, Warentarifnummern und typische Abgabensätze für Gitarren
Der Zollwert ist die Rechengrundlage für alle Abgaben. Er setzt sich zusammen aus dem Warenpreis, den Versandkosten und der Versicherung, sofern eine abgeschlossen wurde. Erst auf diese Summe werden Zoll und Einfuhrumsatzsteuer berechnet, nicht nur auf den reinen Kaufpreis der Gitarre.
Für die Einordnung zählt die Warentarifnummer. Laut AK-Kurier gilt für E-Gitarren der KN-Code 9207.90.10 mit einem Drittlandszollsatz von 3,7 %, während akustische Gitarren unter 9202.90.30 fallen und mit 3,2 % verzollt werden. Auf den so ermittelten Gesamtzollwert kommen dann 19 % Einfuhrumsatzsteuer hinzu.
- E-Gitarre: KN-Code 9207.90.10, Zollsatz rund 3,7 %.
- Akustische Gitarre: KN-Code 9202.90.30, Zollsatz rund 3,2 %.
- Einfuhrumsatzsteuer: 19 % auf den kompletten Zollwert, also Warenpreis plus Versand plus Versicherung.
Viele Käufer unterschätzen, dass die Einfuhrumsatzsteuer nicht nur auf den Kaufpreis, sondern auf die gesamte Summe inklusive Zoll und Versand berechnet wird. Das treibt den Endbetrag spürbar über die reine Prozentzahl des Zollsatzes hinaus.
Reisefreimengen beim Mitbringen im Gepäck versus Paketversand
Wer eine Gitarre selbst aus den USA mitbringt, unterliegt anderen Regeln als beim Versand per Paketdienst. Laut Zoll sind bei der Rückkehr aus einem Nicht-EU-Staat Reisefreimengen zu beachten. Wird die Freigrenze überschritten, sind Einfuhrabgaben fällig und die Ware muss bei der Einreise mündlich angemeldet werden.
- Bei Rückkehr aus den USA gilt eine Reisefreimenge pro Person, oberhalb derer Zoll und Einfuhrumsatzsteuer anfallen.
- Reisende müssen die Gitarre an der Zollstelle aktiv und mündlich anmelden, sobald der Wert die Freigrenze übersteigt.
- Bei Reisefreimengen bleiben Beförderungskosten oft unberücksichtigt, während beim Paketversand Versand und Versicherung stets Teil des Zollwerts sind.
Eine Gitarre im Reisegepäck wird also nach einer anderen Logik bewertet als ein Paket, das per Kurier ankommt. Wer unsicher ist, ob der Warenwert die Freigrenze übersteigt, sollte die Gitarre vorsorglich anmelden, statt auf eine zufällige Kontrolle zu hoffen.
Wie Versanddienste die Verzollung abwickeln und was PDDP bedeutet
Beim Versand per Paketdienst übernimmt oft der Anbieter die Zollabwicklung, teils sogar die Zahlung der Abgaben. Ein Beispiel ist der Postal Delivered Duty Paid Service von DHL, kurz PDDP. Dabei übernimmt der Versender die Einfuhrabgaben bereits vorab, sodass der Empfänger in Deutschland keine Nachzahlung an der Haustür leisten muss.
Voraussetzung dafür ist eine vollständige und korrekte Zollinhaltserklärung, inklusive der passenden Warentarifnummer für jede Position. Fehlen diese Angaben oder sind sie ungenau, drohen Verzögerungen oder sogar eine Rücksendung des Pakets.
- PDDP eignet sich besonders, wenn der Verkäufer in den USA bereit ist, die Abgaben vorab zu kalkulieren und abzuführen.
- Eine korrekte Warentarifnummer auf der Zollinhaltserklärung ist zwingend, sonst stockt die Abfertigung.
- Neben Zoll und Einfuhrumsatzsteuer kommen häufig Gebühren für Sperrgutversand, Versicherung und Zollabfertigung durch den Zustelldienst hinzu.
CITES, geschützte Hölzer und Nachweise für problematische Instrumente
Manche Gitarren enthalten Materialien, die unter das Artenschutzabkommen CITES fallen. Betroffen sind vor allem Palisander und bestimmte Ebenholzarten, die häufig für Griffbretter und Zargen verwendet werden. Laut Musik-Equipment müssen Käufer bei solchen Instrumenten mit zusätzlichen Prüfungen und im schlimmsten Fall mit einer Beschlagnahme rechnen, wenn Nachweise fehlen.
- Palisander und geschützte Ebenholzarten lösen bei der Einfuhr CITES-Prüfungen aus.
- Erforderlich können eine Ausfuhrgenehmigung des Herkunftslandes oder ein Instrumentenpass sein.
- Ohne passende Dokumente drohen Verzögerungen oder die Beschlagnahme des Instruments.
Bei seltenen Hölzern lohnt sich ein Wertgutachten samt Herkunftsnachweis schon vor dem Versand, denn das ist meist günstiger als eine nachträgliche Klärung nach der Beschlagnahme. Wer sich unsicher ist, findet in unserem Beitrag zu CITES bei Palisander-Instrumenten weitere Details zur Rechtslage in Deutschland.
Profi-Tipp: Fragen Sie den Verkäufer in den USA vor dem Kauf explizit nach dem Holzursprung und einer eventuell vorhandenen CITES-Bescheinigung.
Welche Dokumente belegen Kauf, Versand und Herkunft der Gitarre
Ohne die richtigen Unterlagen wird die Zollabfertigung schnell zum Geduldsspiel. Die Handelsrechnung, der Frachtbrief und ein Versicherungsnachweis gehören zur Grundausstattung, die der Zoll in Deutschland regelmäßig sehen möchte.
- Handelsrechnung mit genauer Warenbeschreibung und Kaufpreis.
- Frachtbrief oder Versanddokument des Kurierdienstes.
- Versicherungsnachweis, sofern die Sendung versichert wurde.
- Zusätzlich hilfreich: Fotos des Instruments, Seriennummern, der E-Mail-Verlauf mit dem Verkäufer und ein bestehendes Wertgutachten.
Die deutsche Zollbehörde verlangt solche Nachweise vor allem dann, wenn der angegebene Warenwert ungewöhnlich niedrig wirkt oder Zweifel an der Herkunft bestehen. Wer die Papiere griffbereit hat, spart sich Rückfragen und Wartezeit. Eine ausführliche Übersicht zu den nötigen Unterlagen bietet unser Beitrag zu Zollpapieren beim Gitarrenexport.
Beispielrechnung: Zoll, Einfuhrumsatzsteuer und Gesamtkosten ermitteln
Die Berechnung folgt einer festen Reihenfolge: zuerst der Zollwert, dann der Zollbetrag, danach die Einfuhrumsatzsteuer auf die Summe aus beidem.
- Zollwert ermitteln: Warenpreis plus Versandkosten plus Versicherung, zum Beispiel 1.200 € plus 150 € Versand, also 1.350 € Zollwert.
- Zollbetrag berechnen: bei einer akustischen Gitarre mit 3,2 Prozent ergibt das 43,20 € Zoll.
- Einfuhrumsatzsteuer berechnen: 19 % auf 1.350 € plus 43,20 € Zoll, also auf 1.393,20 €, das sind 264,71 € Einfuhrumsatzsteuer.
- Gesamtkosten: 1.350 € Warenwert, 43,20 € Zoll und 264,71 € Einfuhrumsatzsteuer ergeben zusammen etwa 1.657,91 €.
Dazu kommen oft versteckte Kosten: eine eventuelle Rücksendung im Garantiefall, ein zusätzliches Wertgutachten oder eine Transportversicherung, die im Ursprungspreis noch nicht enthalten war.
Checkliste für Kauf, Versand und Ankunft der Gitarre
Vor dem Kauf lohnt es sich, den Warentarifcode und den CITES-Status des Instruments zu klären und die Versandart mit dem Verkäufer verbindlich zu vereinbaren.
- Vor dem Kauf: Warentarifnummer erfragen, CITES-Status prüfen, Rückgabebedingungen klären.
- Beim Versand: vollständige Zollpapiere verlangen, Versicherung abschließen, PDDP als Option ansprechen.
- Bei Ankunft: alle Belege bereithalten, bei Bedarf ein Gutachten einholen und im Zweifel die zuständige Zollstelle direkt kontaktieren.
Wer die Gitarre sicher und fachgerecht verpackt bekommt, reduziert zugleich das Risiko von Transportschäden, die bei teuren Instrumenten die Abfertigung zusätzlich verkomplizieren. Details dazu finden Sie in unserer Anleitung zum sicheren Verpacken einer Gitarre.
Profi-Tipp: Lassen Sie sich die Zollinhaltserklärung des Verkäufers vor dem Versand zuschicken und prüfen Sie die Warentarifnummer, bevor das Paket überhaupt losgeht.
Wie Vintage Guitar World Sie bei Wertgutachten und Prüfungen unterstützt
Es werden Wertgutachten, Zertifikate und persönliche Anspieltermine für Gitarren angeboten, die durch Fachleute geprüft werden. Bei importierten Instrumenten mit unklarer Herkunft oder seltenen Hölzern hilft ein solches Gutachten, die Legalität und den tatsächlichen Wert schriftlich zu dokumentieren. Wer ein historisches oder besonders teures Stück aus den USA importieren möchte, kann sich für eine Einschätzung vorab an Experten wenden, bevor der Kauf überhaupt abgeschlossen wird.

Lohnt sich der Import wirklich? Eine ehrliche Einschätzung
Bei seltenen Sammlerstücken kann sich der Aufwand für Zollklärung, CITES-Nachweise und ein Wertgutachten durchaus lohnen, denn solche Instrumente sind oft nur in den USA überhaupt zu finden. Bei gängigen Serienmodellen dagegen überwiegen häufig die Nachteile: Garantie- und Rückgabeansprüche gegenüber einem amerikanischen Verkäufer lassen sich in der Praxis kaum durchsetzen, und Rücksendungen sind teuer. Für ein Standardinstrument ist der Kauf bei einem deutschen Händler mit Garantie und Rückgaberecht in den meisten Fällen die entspanntere Wahl. Die Rechenbeispiele in diesem Beitrag sollen genau diese Abwägung erleichtern, nicht den Import grundsätzlich schönreden.
— Vintage
Wertgutachten und Beratung von Vintage Guitar World
Wer nach dem Import Klarheit über den tatsächlichen Wert oder die Echtheit seiner Gitarre haben möchte, findet hier Wertgutachten, Zertifikate und exklusive Anspieltermine im Ladengeschäft.

Diese Leistungen bieten eine fundierte, fachlich geprüfte Absicherung, gerade bei seltenen oder historischen Instrumenten, bei denen Provenienz und Materialherkunft entscheidend sind. Einen Überblick über das aktuelle Angebot und die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme finden Sie direkt auf der Website von Vintage Guitar World.
Quellen
Verlässliche Ausgangspunkte für die eigene Recherche sind die Zollangaben auf Zoll.de, die Hinweise zu PDDP bei DHL sowie Erfahrungsberichte auf Bonedo. Bei Unsicherheiten zu Ihrem konkreten Fall lohnt sich immer ein direkter Anruf bei der zuständigen Zollstelle.
- Zoll
- DHL — Postal Delivered Duty Paid (PDDP)
- Musik‑Equipment — Musikinstrumente aus dem Nicht‑EU‑Ausland: Tipps für den Import
FAQ
Wie hoch ist der Zoll aus den USA nach Deutschland bei Gitarren?
Der Zollsatz liegt je nach Instrument bei etwa 3,2 bis 3,7 Prozent des Zollwerts, dazu kommen 19 % Einfuhrumsatzsteuer. Akustische Gitarren werden niedriger verzollt als E-Gitarren, weil sie unter einen anderen Warentarifcode fallen.
Wie viel kostet der Versand einer Gitarre mit DHL aus den USA?
Genaue Versandpreise für Gitarren aus den USA sind öffentlich nicht einheitlich gelistet, da sie von Gewicht, Sperrgutzuschlag und Versicherung abhängen. Wichtig ist, dass bei Nutzung von PDDP über DHL der Versender die Einfuhrabgaben bereits vorab übernehmen kann.
Was kostet es, eine Gitarre im Flugzeug mitzunehmen?
Die Kosten für die Mitnahme im Flugzeug hängen von der Airline und dem gebuchten Tarif ab und sind nicht einheitlich geregelt. Zollrechtlich zählt beim Rückflug aus den USA die persönliche Reisefreimenge nach Zoll.de, nicht der Transportweg selbst.
Wann muss ich Zoll zahlen, wenn ich etwas aus den USA bestellt habe?
Zoll und Einfuhrumsatzsteuer werden fällig, sobald die Sendung den deutschen Zoll passiert und der Warenwert die geltenden Freigrenzen übersteigt. Bei persönlicher Mitnahme im Reisegepäck gilt die Reisefreimenge, bei Paketversand wird der volle Zollwert aus Warenpreis, Versand und Versicherung zugrunde gelegt.
Welche Nachweise braucht der Zoll bei einer importierten Gitarre?
Üblich sind die Handelsrechnung, ein Frachtbrief und bei Bedarf ein Versicherungsnachweis, ergänzt durch Fotos oder Seriennummern des Instruments. Bei geschützten Hölzern wie Palisander kann laut Musik-Equipment zusätzlich ein CITES-Nachweis oder eine Ausfuhrgenehmigung erforderlich sein.

