Lockern Sie die Saiten, sichern Sie die Kopfplatte und nutzen Sie ein Hardcase oder wickeln Sie die Gitarre mehrlagig in Luftpolsterfolie und steife Pappe. Der Versandkarton braucht rundum mindestens 6 cm Polsterraum. Machen Sie vor dem Verschließen Fotos vom Zustand, und wählen Sie bei einem wertvollen Instrument eine Zusatzversicherung. Diese fünf Schritte entscheiden, ob die Gitarre unbeschadet ankommt oder nicht.
Kurz gesagt:
- Bei wertvollen Instrumenten sollte die Seriennummer vor dem Versand fotografiert werden, da Versicherer diese als Nachweis bei Schadenforderungen verlangen.
- Saiten müssen um zwei bis drei Töne gelockert werden, um Hals und Kopfplatte gegen Stöße zu entlasten und Schädigungen bei Transport zu vermeiden.
- Der Außenkarton sollte mindestens 6 Zentimeter Polsterraum rund um die Gitarre haben, um Stoßkräfte zuverlässig abzufangen.
- Ohne Koffer muss die Gitarre in mehreren Lagen Luftpolsterfolie, verstärkt an den Zargen und mit Innenstützen verpackt werden, um Schäden zu verhindern.
- Bei teuren oder historischen Gitarren ist eine Wertdokumentation vor Versand essentiell, um im Schadensfall bessere Ansprüche durchsetzen zu können.
Inhaltsverzeichnis
- Welche Vorbereitungsschritte brauchen Sie vor dem Verpacken?
- So verpacken Sie die Gitarre sicher im Hardcase
- Wie verpacken Sie eine Gitarre ohne Koffer sicher?
- Welche Kartongröße und welches Gurtmaß sind nötig?
- Wie verschließen und kennzeichnen Sie das Paket richtig?
- Wo und wann sollten Sie das Paket abgeben?
- Wie prüfen Profis die Verpackung vor dem Versand?
- Was viele beim Gitarrenversand unterschätzen
- Quellen
Welche Vorbereitungsschritte brauchen Sie vor dem Verpacken?
Bevor Sie überhaupt Karton oder Koffer anfassen, muss die Gitarre selbst reisefertig gemacht werden. Der wichtigste Punkt dabei: die Saitenspannung reduzieren. Warum das nötig ist, liegt auf der Hand. Unter voller Spannung arbeiten Hals und Kopfplatte wie eine gespannte Feder, und jeder Stoß von außen trifft auf ein System, das bereits unter Last steht. Lockern Sie die Saiten um etwa zwei bis drei Ganztöne, so entlasten Sie Hals und Kopfplatte gegen Stöße deutlich, ohne die Mechaniken komplett zu entspannen.
Danach geht es an die abnehmbaren Teile. Tremolohebel, Gurte, lose Zubehörteile: All das sollte demontiert und getrennt eingepackt werden, denn genau solche Kleinteile sollten separat gepolstert verpackt werden, statt lose im Koffer zu klappern. Reinigen Sie den Korpus kurz und fotografieren Sie ihn danach von allen Seiten. Das dient später als Beweismittel, falls beim Transport etwas schiefgeht.
Legen Sie sich vorab folgendes Material bereit:
- Luftpolsterfolie in ausreichender Menge (mehrere Lagen pro Bereich)
- Schaumstoffpolster oder alte, weiche Textilien
- Steife Pappe für Ecken und Hörner
- Starkes Klebeband, kein Haushaltstape
Profi-Tipp: Fotografieren Sie auch die Seriennummer im Schallloch oder auf der Kopfplattenrückseite. Bei Reklamationen verlangen Versicherer oft genau diesen Nachweis, und ohne Foto wird die Diskussion mit dem Versanddienstleister deutlich zäher.
So verpacken Sie die Gitarre sicher im Hardcase
Ein Koffer allein schützt nicht automatisch. Prüfen Sie zuerst die Passform: Liegt der Hals sauber auf der vorgesehenen Auflage, oder gibt es seitliches Spiel? Selbst ein Originalkoffer kann wackeln, und genau deshalb prüfen Profis immer, ob die Gitarre absolut fest sitzt und polstern bei Bedarf nach. Bewegen Sie die Gitarre im geschlossenen Koffer leicht, bevor Sie ihn verpacken, um Wackelstellen zu finden.

Am Halsansatz braucht es zusätzliche Unterpolsterung, denn das Gewicht darf nicht auf der Halsauflage lasten. Professionelle Verpacker platzieren dafür einen stabilen Polsterblock unter dem vorderen Korpus, sodass der Hals entlastet wird. Die Kopfplatte bekommt eine eigene, dickere Polsterschicht, weil sie bei Stürzen als Hebelpunkt am meisten Kraft abbekommt.
So gehen Sie Schritt für Schritt vor:
- Koffer öffnen, Hohlräume mit Schaumstoff oder Stoff auffüllen, bis nichts mehr verrutscht
- Kopfplatte separat mit Luftpolsterfolie umwickeln
- Koffer schließen und mit Klebeband gegen ungewolltes Öffnen sichern
- Koffer in den Außenkarton stellen und rundum gleichmäßig auspolstern
- Restliche Lücken mit Luftpolsterfolie oder Schaumstoff auffüllen
Zwischen Koffer und Außenkarton sollten mindestens 6 cm Polsterraum liegen, vollständig ausgefüllt mit Dämmmaterial. Das ist der Puffer, der einen Stoß von außen abfängt, bevor er überhaupt den Koffer erreicht. Wer diesen Abstand unterschreitet, verschenkt genau die Reserve, die bei einem Sturz vom Rollwagen den Unterschied macht.
Wie verpacken Sie eine Gitarre ohne Koffer sicher?
Kein Hardcase zur Hand? Dann übernimmt der Karton selbst die Schutzfunktion, und das erfordert mehr Sorgfalt. Wickeln Sie den Korpus in mindestens zwei Lagen Luftpolsterfolie, wobei die Zargen zusätzlich mit Kartonstreifen verstärkt werden sollten. Diese Streifen verteilen punktuelle Stöße auf eine größere Fläche, statt sie direkt auf das Holz zu übertragen.
Hals und Kopfplatte brauchen eigene, steife Stützen. Schneiden Sie Pappe oder Styropor so zu, dass sie als Halsauflage im Karton dient und die Kopfplatte separat abgestützt wird, ähnlich wie bei einem Koffer, nur ohne dessen vorgeformte Passung. Ecken und Hörner sind bei ungepolstertem Versand die Schwachstellen. Kleben Sie dort steife Pappe auf, bevor Sie die restliche Polsterung anbringen.
- Zwei bis drei Lagen Luftpolsterfolie um den gesamten Korpus
- Kartonstreifen an den Zargen als zusätzlicher Stoßschutz
- Steife Innenstützen an Hals und Kopfplatte
- Tremolohebel, Gurt und Zubehör getrennt und gepolstert beilegen
Profi-Tipp: Binden Sie die Luftpolsterfolie nicht zu straff. Ein leichter Luftpuffer zwischen den Lagen wirkt besser als eine straff angezogene Folie, die kaum noch federt.
Welche Kartongröße und welches Gurtmaß sind nötig?

Typische Versandkartons für Gitarren liegen bei etwa 120 Zentimeter Länge, 50 Zentimeter Breite und 20 Zentimeter Tiefe, wobei die genaue Größe vom Korpus und vom Koffer abhängt. Wichtig ist: Der Karton darf nicht knapp sitzen. Ohne Luft für die Polsterung fehlt genau der Puffer, den Sie beim Verpacken aufgebaut haben.
Für den Versand zählt außerdem das Gurtmaß, also die Summe aus der längsten Seite plus dem doppelten Wert von Breite und Höhe. Viele Versanddienstleister verlangen bei Überschreitung bestimmter Werte einen Sperrgutzuschlag, weshalb es sich lohnt, vorher das Gurtmaß zu berechnen, statt eine Überraschung an der Paketannahme zu erleben.
| Kartonmaß | Richtwert | Auswirkung |
|---|---|---|
| Länge | ca. 120 cm | Bestimmt oft die Sperrgut-Einstufung |
| Breite | ca. 50 cm | Muss Koffer plus 6 cm Polsterraum fassen |
| Tiefe | ca. 20 cm | Zu knapp bemessen erhöht Bruchrisiko |
| Gurtmaß-Formel | Längste Seite + 2× Breite + 2× Höhe | Entscheidet über Versandklasse und Preis |
Passende Kartons bekommen Sie oft kostenlos in Musikgeschäften, die Instrumente ausliefern und die Verpackung übrig behalten. Alternativ bieten spezialisierte Versandhändler passgenaue Gitarrenkartons an, die von Anfang an für dieses Format gedacht sind.
Wie verschließen und kennzeichnen Sie das Paket richtig?
Der Boden trägt das gesamte Gewicht, deshalb sichern Sie ihn mehrfach mit stabilem Klebeband, am besten in einem H-Muster über die Mittelnaht und quer über beide Kanten. Verstärken Sie zusätzlich alle Kanten, denn dort reißt Pappe unter Belastung zuerst auf.
Entfernen Sie alte Adressetiketten und Barcodes vollständig, sonst scannt der Versanddienstleister womöglich die falsche Adresse ein. Bringen Sie die neue Adresse außen gut sichtbar an und legen Sie einen zweiten Zettel mit Adresse und Kontaktdaten innen bei, falls das Außenetikett beschädigt wird.
- Fotos von Zustand und Seriennummer vor dem Verschließen aufnehmen
- Belege und Fotos digital sichern, nicht nur auf dem Gerät
- Paket deutlich mit „Zerbrechlich“ kennzeichnen
- Bei Werten über der Standarddeckung eine Zusatzversicherung abschließen
Standardversicherungen decken häufig nur bis rund 500 Euro. Bei einer restaurierten Vintage-Gitarre im vierstelligen Bereich reicht das nicht annähernd aus. Prüfen Sie deshalb vor dem Versand, welche Zusatzversicherung für teurere Instrumente sinnvoll ist, und dokumentieren Sie den Wert mit Fotos, Rechnung oder Gutachten.
Wo und wann sollten Sie das Paket abgeben?
Die Abgabe an einem Filialschalter ist zuverlässiger als das Einwerfen in einen Automaten oder die Abholung durch einen Boten. Am Schalter kann das Personal die Verpackung ansehen und im Zweifel auf offensichtliche Schwachstellen hinweisen, bevor das Paket ins System geht.
Vermeiden Sie den Versand bei extremen Temperaturen. Starke Kälte kann Risse im Lack verursachen, besonders bei älteren Nitrolackierungen, wie sie viele Vintage-Instrumente tragen. Warten Sie bei extremen Minusgraden lieber ein oder zwei Tage auf gemäßigtere Witterung.
- Tracking aktivieren und die Sendungsnummer sofort notieren
- Telefonnummer des Empfängers angeben, damit Zusteller bei Problemen anrufen können
- Ablieferoptionen prüfen, damit das Paket nicht bei Nachbarn landet
- Alle Belege mindestens bis zur Ankunftsbestätigung aufbewahren
Wie prüfen Profis die Verpackung vor dem Versand?
Der Schütteltest ist die einfachste und zugleich zuverlässigste Methode, eine fertige Verpackung zu kontrollieren. Heben Sie das verschlossene Paket an und bewegen Sie es vorsichtig in mehrere Richtungen. Jedes Geräusch, jedes spürbare Rutschen zeigt eine Lücke, die noch nach gepolstert werden muss.
Nach dem Verpacken sollte das Paket vorsichtig bewegt werden. Hör- oder spürbare Bewegungen zeigen, dass an dieser Stelle nachgearbeitet werden muss, bevor das Paket auf die Reise geht.
Die häufigsten Fehler wiederholen sich immer wieder: ein zu großer Koffer, in dem die Gitarre seitlich rutscht, eine ungestützte Halsauflage, die das gesamte Gewicht auf einen schmalen Punkt konzentriert, oder eine Kopfplatte, die nur mit einer dünnen Lage Folie „gesichert“ wurde. Bei sehr wertvollen oder historischen Instrumenten lohnt sich zusätzlich ein schriftliches Wertgutachten, das den Zustand vor dem Versand dokumentiert und im Streitfall als Referenz dient.
Profi-Tipp: Führen Sie den Schütteltest zweimal durch: einmal direkt nach dem Verpacken und ein zweites Mal, nachdem Sie das Paket kurz hochgehoben und wieder abgestellt haben. Manche Polsterung setzt sich erst nach der ersten Bewegung.
Wer die Gitarre stattdessen für eine Tour transportiert statt sie zu versenden, findet ergänzende Hinweise im Praxisguide zur Tourvorbereitung. Für die Zeit zwischen Verkaufsentscheidung und Versand hilft die Anleitung zur richtigen Lagerung, und wer noch keinen passenden Koffer besitzt, findet Orientierung bei den Beispielen für klassische Gitarrenkoffer.
Was viele beim Gitarrenversand unterschätzen
Die meisten Ratgeber konzentrieren sich auf die Polsterung und vernachlässigen etwas Wichtigeres: die Entscheidung, ob ein Instrument überhaupt selbst verpackt werden sollte. Bei einer Gitarre im mittleren Preisbereich ist das kein Problem, mit sorgfältiger Vorbereitung und einem stabilen Karton kommt sie in aller Regel unbeschadet an. Bei einem historischen Einzelstück oder einer seltenen Sammlergitarre sieht die Rechnung anders aus.
Was die konventionellen Tipps oft auslassen: Eine Wertermittlung vor dem Versand ist kein Bürokratieakt, sondern die Grundlage für jede spätere Schadensregulierung. Ohne dokumentierten Wert verhandeln Sie im Schadensfall aus einer schwachen Position, egal wie gut die Polsterung war. Genau hier liegt die eigentliche Priorität: Erst der Nachweis, dann die Verpackungstechnik. Beides zusammen schützt das Instrument tatsächlich, nicht nur die Illusion davon.
Wer eine Vintage-Gitarre besitzt, deren Wert unklar ist, sollte diesen Schritt vor jedem Versand einplanen, sei es für den Verkauf, die Reparatur oder eine Ausstellung.
— Vintage
Wenn Sie unsicher sind, wie viel Ihr Instrument tatsächlich wert ist, oder ein passendes Sammlerstück suchen, lohnt sich ein Blick in den Shop von Vintage Guitar World. Dort finden Sie nicht nur kuratierte Instrumente, sondern auch Unterstützung bei Bewertung und Zertifizierung, bevor eine wertvolle Gitarre überhaupt auf Reisen geht.
Quellen
- Gitarre versenden: So geht’s sicher und günstig! (DagoExpress)
- Gute Reise: Wie man eine Gitarre verschickt − Teil 2 (Gitarre & Bass)
- Gitarre per DHL versenden: Kosten, Verpackung & Versicherung (Inside‑Out‑Live)

