Ein Techniker überprüft die Saitenlage einer Gitarre direkt am Griffbrett.

Was ist Gitarrenaction? Saitenlage richtig einstellen

Entdecke, was ist Gitarrenaction und lerne, wie du die Saitenlage richtig einstellen kannst für besten Klang und Spielkomfort!


TL;DR:

  • Die Gitarrenaction ist der Abstand zwischen Saite und Bundstäbchen, entscheidend für Spielkomfort und Tonqualität. Sie wird am 12. Bund mit Fühlerlehre gemessen, wobei die Reihenfolge von Halsstab, Steghöhe und Intonation zu beachten ist. Eine präzise Einstellung hängt vom Spielstil, Saitendicke und Gitarrentyp ab, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

Die Gitarrenaction bezeichnet den Abstand zwischen Saite und Bundstäbchen, gemessen an der Unterseite der Saite zur Oberkante des Bundes, üblicherweise am 12. Bund. Dieser Wert, im Deutschen auch als Saitenlage oder Gitarrenhöhe bekannt, entscheidet darüber, wie leicht du Töne greifen kannst und wie sauber deine Gitarre klingt. Standardwerte für E-Gitarren liegen bei etwa 1,8 mm für die tiefe E-Saite und 1,4 mm für die hohe E-Saite am 12. Bund. Wer diese Einstellung versteht und beherrscht, gewinnt direkten Einfluss auf Spielkomfort, Intonation und Klangcharakter seiner Gitarre.


Was ist Gitarrenaction und warum ist sie so wichtig?

Die Gitarrenaction ist der messbare Abstand zwischen der Unterseite einer Saite und der Oberkante der Bundstäbchen, standardmäßig am 12. Bund ermittelt. Dieser Wert klingt technisch, hat aber unmittelbare Auswirkungen auf jeden Griff, den du spielst. Eine zu hohe Saitenlage macht das Spielen anstrengend und erschwert Barré-Akkorde spürbar. Eine zu niedrige Action führt zu schnarrenden Saiten, weil diese beim Schwingen die Bundstäbchen berühren.

Der Begriff „Action" stammt aus dem Englischen und ist im internationalen Gitarrenbau fest etabliert. Im deutschsprachigen Raum sprechen Gitarrenbauer und Musiker gleichbedeutend von Saitenlage oder Gitarrenhöhe. Beide Begriffe beschreiben dasselbe Phänomen. Wer mit einem erfahrenen Gitarrenbauer spricht, wird alle drei Begriffe hören.

Die Bedeutung der Action geht über puren Komfort hinaus. Eine korrekt eingestellte Saitenlage verbessert die Intonation, also die Sauberkeit der Töne über das gesamte Griffbrett. Gitarren mit schlechter Werkseinstellung klingen selbst mit teuren Saiten verstimmt, sobald man höhere Lagen greift. Das ist kein Qualitätsmerkmal der Saiten, sondern ein Einstellungsproblem.


Wie wird die Gitarrenaction gemessen?

Die Messung der Gitarrenaction ist einfacher, als viele Anfänger vermuten. Du brauchst dafür keine teure Ausrüstung, aber Präzision ist gefragt.

  1. Gitarre stimmen. Vor jeder Messung muss die Gitarre korrekt gestimmt sein. Saitenspannung beeinflusst die Halsneigung und damit den Abstand der Saiten zu den Bünden direkt.
  2. Position wählen. Halte die Gitarre in normaler Spielposition oder lege sie flach auf einen Tisch. Wichtig ist, dass der Hals gerade liegt und nicht durch Druck verzogen wird.
  3. Am 12. Bund messen. Setze eine Fühlerlehre (auch Feeler Gauge genannt) zwischen die Unterseite der Saite und die Oberkante des 12. Bundes. Für E-Gitarren gilt: tiefe E-Saite etwa 1,8 mm, hohe E-Saite etwa 1,4 mm.
  4. Sattelhöhe separat prüfen. Für die Sattelhöhe am 1. Bund empfiehlt sich ein Kapodaster auf dem ersten Bund und eine Fühlerlehre zur Bestimmung des Abstands direkt am Sattel. Dieser Wert liegt bei gut eingestellten Gitarren zwischen 0,3 und 0,5 mm.
  5. Werte notieren. Schreibe die gemessenen Werte auf, bevor du etwas veränderst. So hast du immer einen Ausgangspunkt, zu dem du zurückkehren kannst.

Spezielle Gitarren-Action-Messwerkzeuge wie das StewMac Action Gauge oder günstige Fühlerlehren aus dem Baumarkt leisten beide gute Dienste. Der Unterschied liegt in der Handhabung, nicht im Ergebnis.

Profi-Tipp: Viele Anfänger verwechseln die Saitenlage am 12. Bund mit der Sattelhöhe am 1. Bund. Beide Parameter müssen separat korrekt eingestellt werden, da sie unterschiedliche Auswirkungen auf Spielkomfort und Intonation haben.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Messung der Saitenlage bei Gitarren als anschauliche Infografik


Welche Faktoren beeinflussen die optimale Gitarrenaction?

Die ideale Saitenlage ist keine universelle Zahl. Sie hängt von mehreren Faktoren ab, die zusammenwirken.

  • Spielstil. Aggressive Spieler, die mit viel Kraft anschlagen, etwa im Rock oder Blues, bevorzugen oft höhere Action, um Schnarren zu vermeiden. Fingerstyle-Gitarristen und Solisten, die schnelle Läufe spielen, wählen häufig eine niedrigere Saitenlage für bessere Bespielbarkeit.
  • Saitendicke. Dicke Saiten schwingen mit größerer Amplitude als dünne. Das bedeutet, sie brauchen mehr Platz zwischen Saite und Bundstäbchen, um nicht zu schnarren. Wer von einem 009er-Satz auf 011er wechselt, muss die Action in der Regel nachstellen.
  • Gitarrentyp. Akustikgitarren haben generell eine höhere Saitenlage als E-Gitarren, weil die Saiten stärker schwingen und der Klang ohne Verstärker erzeugt wird. Klassische Gitarren mit Nylonsaiten liegen nochmals höher als Stahlsaiten-Akustikgitarren.
  • Griffbrett-Radius. Der Radius beschreibt die Wölbung des Griffbretts. Ein flacher Radius wie 16 Zoll bei modernen Shredder-Gitarren erlaubt eine niedrigere Action ohne Schnarren. Ein stärker gewölbter Radius wie 7,25 Zoll bei vintage Fender-Modellen erfordert etwas mehr Abstand, besonders auf den Außensaiten.
  • Halsneigung und Halsstab. Ein zu stark oder zu wenig gebogener Hals verändert die effektive Saitenlage über das gesamte Griffbrett. Bevor du die Steghöhe anpasst, muss der Halsstab korrekt eingestellt sein. Die Handwerkskunst beim Gitarrenbau zeigt sich nirgends deutlicher als in der Präzision dieser Einstellungen.
  • Holzqualität und Alter. Ältere Gitarren können durch Holzbewegung über Jahre eine veränderte Halsneigung entwickeln. Vintage-Instrumente brauchen deshalb regelmäßige Kontrolle der Saitenlage.

Gitarrenaction einstellen: Verfahren nach Gitarrentyp

Die Reihenfolge bei der Einstellung ist entscheidend. Zuerst kommt der Halsstab, dann die Steghöhe, zuletzt die Intonation. Ohne diese Reihenfolge droht endloses Nachjustieren, weil jede Änderung die vorherige beeinflusst.

Aus der Vogelperspektive: Hände justieren mit einem Inbusschlüssel die Saitenreiter einer Gitarrenbrücke.

Einstellung nach Gitarrenmodell

Gitarrentyp Brückentyp Einstellmethode Typische Werte (12. Bund)
Fender Stratocaster Vintage Tremolo oder 2-Punkt-Tremolo Inbusschlüssel an jedem Saitenreiter Tief: 2,0 mm, Hoch: 1,6 mm
Fender Telecaster Drei-Sattel oder Sechs-Sattel-Brücke Inbusschlüssel oder Schlitzschraubenzieher Tief: 1,8 mm, Hoch: 1,4 mm
Gibson Les Paul Tune-o-matic-Brücke Rändelschrauben an der Brücke Tief: 1,6 mm, Hoch: 1,2 mm
Floyd Rose Doppellockend-Tremolo Inbusschlüssel an jedem Saitenreiter Tief: 2,0 mm, Hoch: 1,6 mm
Akustikgitarre Steg mit Sattel Sattel abschleifen oder austauschen Tief: 2,5 mm, Hoch: 2,0 mm

Bei der Stratocaster und Telecaster lässt sich jeder Saitenreiter einzeln in der Höhe verstellen. Das erlaubt eine Anpassung an den Griffbrett-Radius, sodass alle Saiten gleichmäßig über das Griffbrett verlaufen. Bei der Les Paul mit Tune-o-matic-Brücke werden Tief- und Hochseite gemeinsam über zwei Rändelschrauben angehoben oder abgesenkt. Das ist schneller, aber weniger präzise für einzelne Saiten.

Der Floyd Rose ist der aufwendigste Fall. Wegen des Federsystems im Korpus beeinflusst jede Änderung der Saitenspannung die Brückenneigung. Wer hier die Action verändert, muss gleichzeitig die Federspannung im Fach auf der Rückseite des Korpus anpassen. Das erfordert Geduld und mehrere Iterationen.

Profi-Tipp: Nach jeder Änderung der Steghöhe muss die Gitarre neu gestimmt werden, bevor du die Intonation überprüfst. Jede Justierung beeinflusst die Intonation direkt. Wer diesen Schritt überspringt, wundert sich, warum die Gitarre trotz korrekter Action verstimmt klingt.

Grenzen der Selbstjustierung sind real. Wenn der Sattel zu hoch ist und abgeschliffen werden muss, oder wenn der Halsstab klemmt und sich nicht drehen lässt, gehört die Gitarre in die Hände eines erfahrenen Gitarrenbauers. Fehler am Halsstab können den Hals dauerhaft beschädigen.


Wie kann man Gitarrenaction für verschiedene Spielstile optimieren?

Die Gitarrenaction zu optimieren bedeutet, den besten Kompromiss zwischen Spielkomfort und Klangqualität für deinen persönlichen Stil zu finden. Es gibt keine universell richtige Einstellung.

  • Fingerstyle und klassische Gitarre. Fingerstyle-Spieler bevorzugen oft niedrigere Action für schnelle Läufe und präzise Ansprache. Bei klassischen Gitarren mit Nylonsaiten liegt die optimale Saitenlage etwas höher, weil Nylonsaiten stärker schwingen und sonst schnarren.
  • Rock und Metal. Hier zählt Geschwindigkeit. Niedrige Action ermöglicht schnelles Legato-Spiel und Tapping. Wer allerdings mit starkem Anschlag spielt, muss die Action etwas anheben, sonst schnarren die Saiten bei jedem Powerchord.
  • Blues. Blues-Gitarristen wie die Spieler im Stil von Stevie Ray Vaughan schwören auf dicke Saiten und mittlere bis hohe Action. Das erzeugt den charakteristischen, druckvollen Ton mit viel Sustain. Die höhere Action macht Bendings leichter kontrollierbar.
  • Schnarren beheben. Schnarrt eine einzelne Saite, liegt das Problem oft an einem ungleichmäßigen Bund oder einem zu niedrigen Saitenreiter. Schnarren auf allen Saiten deutet auf eine zu niedrige Gesamtaction oder einen zu stark gebogenen Hals hin.
  • Sattelhöhe separat einstellen. Eine zu hohe Sattelhöhe erschwert das Greifen in den ersten Lagen erheblich, auch wenn die Steghöhe korrekt ist. Wer in den ersten drei Bünden unverhältnismäßig viel Kraft braucht, sollte zuerst den Sattel prüfen.
  • Timing der Einstellung. Der beste Zeitpunkt für eine Kontrolle und Justierung der Action ist direkt nach einem Saitenwechsel. Neue Saiten verändern die Halsneigung leicht, was die Saitenlage beeinflusst.

Profi-Tipp: Verändere die Action immer in kleinen Schritten von maximal 0,2 mm. Spiele nach jeder Änderung mehrere Minuten, bevor du weiter justierst. Deine Finger brauchen Zeit, um den Unterschied wirklich zu spüren.


Wichtigste Erkenntnisse

Die Gitarrenaction ist der entscheidende Parameter für Spielkomfort und Klang: Wer Halsstab, Steghöhe und Intonation in der richtigen Reihenfolge einstellt, holt das Maximum aus jeder Gitarre heraus.

Punkt Details
Definition der Gitarrenaction Abstand zwischen Saitenunterseite und Bundstäbchenoberkante, gemessen am 12. Bund.
Messwerkzeug und Methode Fühlerlehre am 12. Bund verwenden, Gitarre vorher korrekt stimmen.
Reihenfolge der Einstellung Zuerst Halsstab, dann Steghöhe, zuletzt Intonation. Niemals umgekehrt.
Spielstil bestimmt die Action Fingerstyle braucht niedrigere Action, Blues und Rock oft höhere Saitenlage.
Sattel und Steg separat prüfen Sattelhöhe und Steghöhe sind unabhängige Parameter mit unterschiedlichen Auswirkungen.

Warum die Gitarrenaction mehr verrät als jede Spec-Liste

Ich habe über die Jahre Hunderte von Gitarren in den Händen gehabt, von günstigen Einsteigern bis zu seltenen Vintage-Instrumenten aus den 1950er und 1960er Jahren. Und ich sage dir: Die Saitenlage ist das erste, was ich an einer unbekannten Gitarre prüfe. Nicht die Marke, nicht den Preis, nicht das Holz.

Was mich immer wieder überrascht, ist wie viele Gitarren mit einer schlechten Werkseinstellung ausgeliefert werden. Selbst teure Instrumente kommen manchmal mit einer Action aus der Fabrik, die für niemanden wirklich passt. Das ist kein Qualitätsmerkmal, sondern ein Kompromiss für den Transport und die Lagerung. Die eigentliche Arbeit beginnt erst, wenn die Gitarre in deinen Händen ist.

Meine ehrliche Einschätzung: Viele Gitarristen, die glauben, sie bräuchten ein neues Instrument, brauchen eigentlich nur ein ordentliches Setup. Eine gut eingestellte Gitarre mittlerer Preisklasse spielt sich besser als ein teures Instrument mit schlechter Saitenlage. Das ist keine Theorie, das ist Erfahrung aus der Praxis.

Was ich gelernt habe: Geduld ist beim Einstellen der Action keine Tugend, sondern eine Notwendigkeit. Wer zu schnell zu viel verändert, verliert den Überblick. Kleine Schritte, sorgfältige Messung und das Notieren der Ausgangswerte sind die drei Dinge, die den Unterschied machen. Und wenn du an deine Grenzen stößt, ist ein guter Gitarrenbauer keine Niederlage, sondern die klügste Entscheidung, die du für dein Instrument treffen kannst.

— Vintage


Deine nächste Gitarre verdient die richtige Einstellung

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FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Gitarrenaction und Sattelhöhe?

Die Gitarrenaction beschreibt die Saitenlage am 12. Bund, also die Steghöhe. Die Sattelhöhe bezeichnet den Abstand der Saiten am Sattel nahe der Kopfplatte, gemessen am 1. Bund. Beide Parameter müssen separat eingestellt werden, da sie unterschiedliche Bereiche des Griffbretts beeinflussen.

Welche Werte gelten als Standard für die Gitarrenaction?

Für E-Gitarren gelten am 12. Bund etwa 1,8 mm für die tiefe E-Saite und 1,4 mm für die hohe E-Saite als Richtwerte. Akustikgitarren liegen mit 2,5 mm und 2,0 mm etwas höher. Diese Werte sind Ausgangspunkte, keine absoluten Vorgaben.

Kann ich die Gitarrenaction selbst einstellen?

Ja, die Steghöhe lässt sich bei den meisten E-Gitarren mit einem Inbusschlüssel selbst anpassen. Für Eingriffe am Halsstab oder am Sattel empfiehlt sich bei fehlender Erfahrung ein Gitarrenbauer, da Fehler dauerhaften Schaden verursachen können.

Warum schnarren meine Saiten nach einer Actionänderung?

Schnarren nach einer Absenkung der Action bedeutet meist, dass die Saitenlage zu niedrig ist und die Saiten beim Schwingen die Bundstäbchen berühren. Hebe die Action in kleinen Schritten von 0,1 bis 0,2 mm an, bis das Schnarren verschwindet.

Wie oft sollte ich die Gitarrenaction kontrollieren?

Eine Kontrolle nach jedem Saitenwechsel ist sinnvoll, da neue Saiten die Halsneigung leicht verändern. Zusätzlich empfiehlt sich eine Überprüfung bei Klimawechseln, weil Holz auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit reagiert und die Saitenlage dadurch verändert werden kann.

Empfehlung

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